Panoramasicht auf Ulm von der Donau aus (Foto: TMBW, Mende)

Von Einstein bis zum Schiefen Haus

Ein Spaziergang durch Ulm

Stadt der Superlative – so wird Ulm nicht ohne Grund genannt. Denn die alte Reichsstadt besitzt nicht nur eines der prächtigsten historischen Zentren Baden-Württembergs, sie ist auch Heimat des höchsten Kirchturms, des schiefsten Hotels und berühmtesten Physikers der Welt, Albert Einstein. Damit aber nicht genug. Denn Ulm hält für Ausflügler eine ganze Palette an Sehenswürdigkeiten bereit. Neben dem romantischen Fischerviertel, ein Muss für jeden Ulm-Entdecker, dem alten Rathaus und dem Inneren des Münsters sollte bei einem Besuch auch ein Panoramaspaziergang auf der alten Stadtmauer nicht fehlen. Im Dezember lockt der traditionelle Weihnachtsmarkt Glühwein- und Bratwurstliebhaber aus Nah und Fern auf den altehrwürdigen Münsterplatz.

Ulm erreichen Sie von Stuttgart bzw. Plochingen stündlich mit dem MEX16. Ab dem 11.12. kommt eine neue Verbindung von Go-Ahead Bayern hinzu: Mit dem RE9 geht es dann von München über Augsburg direkt in die Donau-Metropole.

Kurzbeschreibung

Von Einstein bis zum Schiefen Haus – Ein Spaziergang durch Ulm

Anreise: MEX 16, Ulm Hbf  
Takt: alle 60 min  
Strecke: 3,5 km  
Zeit: ca. 1,5 Stunden  
Höhenunterschied: 10 m  
Weg: Ulm Hbf – Fischerviertel – Schmales Haus – Schiefes Haus – Stadtmauer – Metzgerturm – Rathaus – Gasthaus „Drei Kannen“ – Münsterplatz – Ulm Hbf  

Tourenverlauf

Los geht es am Hauptbahnhof (1) und von dort in südlicher Richtung über die Friedrich-Ebert-Straße und am Deutschhaus Parkhaus vorbei ins Fischerviertel (2). Hier, im alten Handwerkerquartier und wohl romantischsten Viertel der Stadt, siedelten sich im Mittelalter Fischer, aber auch Gerber und Schifffahrer an. Die urigen Gassen des Viertels mit windschiefen Häusern rund um die Kleine Blau und Große Blau verlaufen bis zu den Toren der Stadtmauer, wo sich der herrliche Blick auf den Fluss eröffnet.

Am Ende der Fischergasse kommen wir am Schmalen Haus (3) vorbei. Das denkmalgeschützte hohe Giebelhaus mit seinem rotbraunen Fachwerk und einer Breite von nur 4,63 m beherbergt heute ein Hotel. Ein Teil des Hauses ist auf Stützen direkt in die Blau vorgebaut, die nur einen guten Meter unter dem Haus zur Donau fließt. Weiter geht es über Große und Kleine Blau zum Schiefen Haus (4). Dieses malerische Hotel in einem Fachwerkbau von 1406 wird seit seiner Restaurierung 1995 wie das Schmale Haus als Hotel genutzt. Laut Guiness-Buch der Rekorde gilt es mit einer Neigung von bis zu 10 Grad als schiefstes Hotel der Welt. Zurück über die Kleine Blau führt der Weg weiter zur Stadtmauer (5) von 1480, die ursprünglich einmal direkt an der Donau lag – die eisernen Ringe, als Befestigung für Schiffe gedacht, zeugen von der Zeit.

Ein Spaziergang auf dem Promenadenweg oberhalb der Mauer eröffnet grandiose Blicke auf hübsche Stadtgärten, die Donauwiese und den Fluss bis auf Neu-Ulm am anderen Ufer. Nach kurzer Zeit erscheint links der Metzgerturm (6), ein Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Der quadratische Backsteinturm mit Spitzbogentoren wurde um 1340 als Auslass der staufischen Stadtbefestigung zur davor liegenden Stadtmetzig, dem Schlachthaus der Stadt, errichtet. Von dort geht es über den Marktplatz bis zum Rathaus (7). Mit seiner opulenten Außenbemalung aus der Frührenaissance und der reich verzierten astronomischen Uhr gilt es als eines der prächtigsten Ulmer Bauten. Der älteste Teil, der südöstliche Hauptbau, entstand 1370 als ›neues Kaufhaus‹. 1419 wird es erstmals als Rathaus bezeichnet. Die Fassadenbemalung zeigt Darstellungen von Tugenden, Geboten und Lastern. Die heute zu sehende Malerei stammt aus dem Jahre 1900, als die von der Witterung größtenteils zerstörte Bemalung wiederhergestellt wurde.

Am Münsterchor vorbei und geradeaus die Straße weiter hoch liegt links das empfehlenswerte historische Gasthaus „Drei Kannen“ (8) von 1550 mit traditionell schwäbischer Küche, wegen seines stattlichen Aussehens auch „Schlößle“ genannt. Der Grundstein für den bis heute wohl schönsten Biergarten im Herzen von Ulm wurde 1912 gelegt. Nach einer Rast bei Sauren Linsen oder Bierkutscher-Rösti zum Drei-Kannen-Krügle laufen wir zickzack Hinter dem Brot über die Herrenkellergasse und Platzgasse zum Münsterplatz (9). Mächtig erhebt sich dort der mit 161,53 Metern weltweit höchste Kirchturm über dem Schiff des gotischen Münsters, wiederum die größte evangelische Kirche Deutschlands. Ihr Grundstein wurde 1377 gelegt, als Ulm eine Reichsstadt und noch römisch-katholisch war. Über 200 Jahre – bis 1543 und dann nach einer langen Pause wieder von 1844 bis 1890 – wurde am Münster gebaut. Der prächtige Kirchbau überstand die Luftangriffe1944/1945 in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs weitgehend unbeschädigt. Im Inneren befinden sich Kunstwerke von großer Bedeutung, darunter das Chorgestühl von 1469 bis `74, die Kanzel mit Schnitzereien von 1510 oder das 26 Meter hohe Sakramentshaus, in dem einst geweihte Hostien aufbewahrt wurden.

Vor dem Kirchenportal eröffnet sich der weitläufige Münsterplatz, auf dem normalerweise mittwochs und samstags ein Wochenmarkt statt findet. Von November bis kurz vor Weihnachten reihen sich hier 120 geschmückte Stände aneinander und bieten Glühwein oder traditionelles Handwerk an. Vom Münsterplatz geht es die Hirschstraße und dann die Bahnhofstraße immer geradeaus wieder in Richtung Bahnhof. Der Weg führt vorbei am Albert-Einstein-Denkmal in der Bahnhofstraße 20, dort, wo einst sein Elternhaus stand und der große Physiker am 14. März 1879 geboren wurde. Direkt hinter dem Albert-Einstein-Platz erreichen wir den Bahnhof.

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